CrossFit – ein Selbstversuch

Die Gefahren

Robert Hayden, Sprecher der Amerikanischen Vereinigung der Chiropraktier, sagt CrossFit sei gut. Gut für alle Chiropraktiker, weil die Praxen mehr Verletzungen durch CrossFit verzeichnen.
Das spricht im ersten Moment nicht gerade für CrossFit, kann aber auch mit der Explosionsartigen Verbreitung von CrossFit zu tun haben: mehr CrossFitter = mehr Verletzte durch CrossFit. Hayden hat zumindest über die letzten beiden Jahre (2012/2013) eine deutliche Zunahme von CrossFit-Patienten bemerkt.
Quelle: www.outsideonline.com 

Gewichthebeübungen mit der Langhantel sind  technisch oft sehr anspruchsvoll, erst recht für Anfänger. Dies in Verbindung mit einer hoher Wiederholungszahl gepaart mit Zeitdruck ergibt eine grössere Wahrscheinlichkeit, sich zu verletzen, als wenn die Übungen ohne Zeitdruck oder mit weniger Wiederholungen absolviert würden. Das oberste Gebot lautet deshalb: bei allen Übungen die korrekte Form einhalten. Wenn diese durch Müdigkeit, ungenügende Technik, Zeitnot oder Konzentrationsmangel nicht mehr stimmt, dann ist der Coach gefragt. Er muss die unkorrekte Form erkennen und den CrossFitter korrigieren, bzw. dazu anhalten, das Workout zu skalieren, also seinen Fähigkeiten anzupassen – zum Beispiel das Gewicht zu reduzieren.

Im selben Artikel auf OutsideOnline.com heisst es dann auch “Stay within your limits” also “Bleibe innerhalb deiner Fähigkeiten” um Verletzungen zu vermeiden. Das ist ein frommer Wunsch, wenn man von allen Seiten angefeuert und animiert wird, seine Grenzen zu überschreiten und persönliche Rekorde zu brechen.

In einem Interview mit der NewYorkTimes äusserte sich Coach Glassman zum Thema Verletzungen im Zusammenhang mit CrossFit lakonisch: “Es kann dich töten, darüber war ich immer absolut ehrlich” und weiter: “wenn dir die Vorstellung von den Ringen zu fallen und dir das Genick zu brechen so fremd ist, dann möchten wir dich nicht in unseren Reihen.”

Sogenanntes “Übertraining” kann üble folgen haben. Oft bleibt es zwar bei einem starken Muskelkater oder allgemeiner Erschöpfung. Es kann aber auch schlimmer kommen. Muskelfasern können sich bei starker Überanspruchung auflösen, Myoglobin kommt in den Blutkreislauf und schädigt die Niere, im schlimmsten Fall bis zum Nierenversagen, was tödlich enden kann. Der Fachbegriff dazu heisst Rhabdomyolyse / Rhabdomyolysis, umgangssprachlich “Rhabdo”. Ein Teil der CrossFit Community nimmt es mit Galgen-Humor: es wurde ein inoffizielles Maskottchen erschaffen, den Onkel Rhabdo:

Uncle Rhabdo

Die Symptome von Rhabdo: die Muskeln schwellen an und schmerzen, das Urin verfärbt sich dunkel. Spätestens dann ist es Zeit, die nächste Notfallstation aufzusuchen. Die gute Nachricht: Rhabdo gibt es sehr selten und es ist auch in vielen Fällen vorbeugbar:

  • wenn man schon lange nicht mehr oder noch nie CrossFit gemacht hat, Intensität langsam steigern
  • bei einer schlechten Tagesform weniger oder auch mal gar nicht trainieren
  • genügend Wasser trinken um Dehydration vorzubeugen
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